KREUZBERGER NACHRICHTEN

VORLESETAG 2004

Bundesweiter Vorlesetag: Große lesen für Kleine

Ulf Merbold an der Kreuzbergschule

Der 12. November war die 340 Schülerinnen und Schüler der Kreuzbergschule ein besonderer Tag. Wie in bundesweit 2000 anderen öffentlichen Einrichtungen, Schulen Kindergärten und Bibliotheken stand auch für sie das Buch für einen Tag lang im Mittelpunkt. Hier hieß es aber nicht: Lesebuch aufschlagen, wir lesen auf Seite 35. Die Schüler konnten sich vielmehr zurücklehnen, es sich bequem machen und einfach zuhören und dabei die Erfahrung machen, wie verborgene, lustige, traurige und fantastische Welten sich ihnen öffneten.

So stand schon der Unterrichtsvormittag ganz im Zeichen des Vorlesens. Ob Märchen oder Sage, ob Grusel- oder Abenteuergeschichte – jedes Kind entschied für sich, in welche Vorleseecke und zu welchem der zahlreichen Vorleser es sich an diesem Tag zurückziehen wollte. Alle Lehrer und Lehrerinnen der Schule und eine ganze Reihe von Eltern, die sich spontan zur Mitarbeit bereit erklärt hatten und ihre in der Schule außergewöhnlichen Rolle mit Professionalität ausfüllten, hielten ein breites Angebot an Geschichten und Erzählungen vor. Da war für jedes Kind das Richtige dabei, in die Welt des Lesens einzutauchen. Begeisterung bei den Kindern schon am Vormittag!

Am Nachmittag wurde es dann richtig spannend, als prominente Große für die Kleinen lasen.

Auf Initiative der Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte sich ein ganz besonderer Gast an der Kreuzbergschule angemeldet: der Astronaut Ulf Merbold. Er kam aber nicht – wie von den Kindern zunächst erwartet -in geheimer Weltraummission, auch er kam als Vorleser.

Zu der kleinen Begrüßungsfeier in der Turnhalle – wo es mit dem Liedermacher Dennis Ebert dann doch noch um die Planeten und den Weltraum ging- hatten sich gut 180 Kinder und ebenso viele Eltern eingefunden. Dann ging es in die vorbereiteten Leseräume. In wenigen Minuten war absolute Stille im Schulgebäude.

In einem für die Dauer eines Tages zur Weltraumstation umfunktionierten Klassenraum gelang es Ulf Merbold offenbar mit Leichtigkeit, mit Kästners Till Eulespiegel- Geschichten, eine Rasselbande von 50 oder mehr neugierigen Kindern (und Eltern) zu faszinieren.

Gleich nebenan las Oberbürgermeister Dr. Lauer aus Michael Endes „Traumfresserchen“. Die kleinen Zuhörer bestätigten ihm im Nachhinein auch auf diesem Gebiet Professionalität: „Der OB kann super gut vorlesen1“

Spannung auch bei Jean-Louis Kieffer, dem lothringischen Mundartautor. Würden die Kinder „ sei sprooch“ überhaupt verstehen? Die Kinder verstanden ihn sehr wohl, tauchten in die ihnen doch recht fremde Sprache ein und ließen sich still begeistern.

Auch die für die Kinder sehr anspruchsvolle, verdichtete Sprache des Lyrikers Johannes Kühn kam bei den Kindern an. Mit viel Gefühl gelang es Frau Rech, die den Lyriker begleitete, die von Kühn vorgetragene Lyrik zu entschlüsseln und den Kindern nahe zu bringen.

Absolut positive Rückmeldungen kamen auch von den weiteren Vorlesern. Dennis Ebert war auch als Vorleser in seinem Metier, ebenso Martina Walbach von der Stadtbücherei Merzig. Ortsvorsteher Manfred Klein und Wolf Porz von der SZ haben zugesagt, beim nächsten Vorlesetag wieder mitzumachen.

Und Lehrer und Eltern sind sich einig:
Beim Vorlestag 2005 ist man wieder dabei.